Ein Blick zurück

Liebe Mami!

Nun waren wir wieder bei Euch und es bleibt ein komisches, trauriges Gefühl zurück. Wenn ich daran denke, dass es noch nicht allzu lange her ist, dass Du uns alleine besucht hast und mir, wo ich auch Hilfe gebraucht habe, zur Seite gestanden bist.

Wie kann ich Dir nun helfen? Ich weiß es nicht. ich weiß nur, dass wenn Du Dich so sehen könntest, wie Du jetzt bist, Dich sehr erschrecken würdest.

Als ich Dich vorgestern abend gesehen habe, wie Du mit Hilfe von Papa und Maria auf allen Vieren die Treffen zum Schlafzimmer fast nicht mehr geschafft hast, hat mich das zutiefst geschockt. Verdammt, wir sind vor 2 Monaten noch spazieren gegangen und nun…

Ich vermisse Dich so sehr und würde Dir so gerne wieder alles – fast alles erzählen – so wie früher. Ich weiß noch, als ich Dir vor 8 Jahren erzählte, dass ich schwanger bin. Du hast Dich so mit mir gefreut. Am Tag nach der Geburt von  Deiner Enkeling hast Du das erste Mal die Strassenbahn fast übersehen. Kurz darauf hast Du mich gebeten einen Spezialisten für Dich zu suchen. Beginnende, leichte Demenz war damals die Diagnose. Heute weißt Du nicht mehr wer ich bin.

Dein Blick ist leer, Deine Augen, früher so lebendig und klar, sind eingetrübt und finden ihr Ziel nicht mehr. Du irrst umher und findest Dein Zuhause, Deine „Höhle“ nicht mehr. Ich würde Dir so gerne dieses Stück Heimat schenken, damit Du Dich wieder angekommen und zuHause fühlst. Es macht mich zu unendlich traurig, zu sehen, wie Du vor Dich hin vegetierst. Du warst eine selbstbestimmte, lebensfrohe und schöne Frau, meine Mutter und ich war unsagbar stolz auf Dich. Und heute: mir fehlen die Worte, das zu beschreiben was ich sehe.

 

Gute Nacht & ich hab Dich lieb

D

 

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